Gesundheit in Zeiten des Klimawandels

Mit dem Fokus auf die Region Berlin-Brandenburg fand im Rahmen von INKA BB ein Expertenmeeting zu gesundheitlichen Fragen der Anpassungsforschung statt.

Die mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken verlangen besonders in den städtischen Agglomerationen umfassende Anpassungsmaßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit. Das Teilprojekt (TP) 5 "Warn- und Interventionssysteme für Gesundheitsvorsorge und Krankheitsmanagement" im INKA BB fokussiert mit der Entwicklung eines Informations- und Frühwarnsystems unter Berücksichtigung von Innenraumbedingungen, sowie der Etablierung eines telemedizinischen Frühwarn- und Interventionszentrums für Patienten mit chronischen pulmonalen Erkrankungen, auf die Minderung der gesundheitlichen Auswirkungen von Hitzewellen und Luftbelastung.

Am 17.11.2011 konnten die Teilprojektleiter Prof. Wilfried Endlicher vom Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin und Prof. Christian Witt vom Arbeitsbereich Pneumologie der Charité Berlin zahlreiche Teilprojektpartner, Experten und Interessenvertreter aus Wissenschaft und Politik zum Akteursworkshop "Gesundheit in Berlin-Brandenburg in Zeiten des Klimawandels" in Berlin-Adlershof begrüßen. Ziel des Workshops und Netzwerktreffens war es, den gegenwärtigen Sachstand zum Thema Klimawandel und Gesundheit in Berlin-Brandenburg zu identifizieren, die Forschungsarbeiten des TP5 vorzustellen und die zu entwickelnden Anpassungsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit im Rahmen einer Stärke-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse (SWOT) gemeinsam mit den Akteuren zu diskutieren und zu bewerten. Die Veranstaltung wurde von Prof. Jürgen Kropp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung moderiert und bot Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und für Diskussionen. Unterstützt wurde dies durch Impulsvorträge zu den Bereichen Klimawandel und Gesundheit in Berlin-Brandenburg aus Sicht der Klimaforschung, Medizin und Politik, sowie Anpassungsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit aus Sicht der Telemedizin, Politik und Wetterdienste. Der regen Beteiligung der Teilnehmer und der Expertise aus verschiedenen Bereichen der Akteursgruppen ist es zu verdanken, dass der SWOT-Workshop wesentliche Rückmeldungen für das TP5 hervorbrachte, die in der Umsetzung der Projektarbeit Berücksichtigung finden werden. Es konnten potentielle Forschungszusammenarbeiten identifiziert, weiterer Forschungs- und Vernetzungsbedarf zwischen den Akteuren aus Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft abgeleitet und Ziele des Gesundheitsschutzes in Berlin-Brandenburg definiert werden. Das TP5 war besonders erfreut, dass die zu dem Zeitpunkt noch amtierende Berliner Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz Katrin Lompscher den Akteursworkshop mit einem Vortrag zum Thema "Klimawandel und Gesundheit - Herausforderungen für Politik, Planung und Gesundheitswesen" unterstützte. Frau Lompscher machte deutlich, dass mehr Forschung nötig ist, um zielgerichtete Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit in Zeiten des Klimawandels umzusetzen. Auch dem 2009 veröffentlichten ersten Bericht der Senatsverwaltung zum Klimawandel in Berlin ist zu entnehmen, dass in Berlin zum Thema Klimawandel und Gesundheit noch viel Unsicherheit herrscht und mithin erheblicher Forschungsbedarf besteht. Nach Aussage von Frau Lompscher, bestehen die Anforderungen an die Politik darin, die Funktionalität als klimagerechte Stadt aufrecht zu erhalten und zu gewährleisten, und die Verwundbarkeit betroffener Bewohnergruppen zu berücksichtigen. Klimaanpassung und Klimaschutz gehen einher, dabei ist gleichfalls die Stadtplanung herausgefordert. Der 2011 von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung veröffentlichte Stadtentwicklungsplan-Klima (StEP-Klima) definiert in den Handlungsfeldern Bioklima, Grün- und Freiflächen, Gewässerqualität und Starkregen sowie Klimaschutz, Ziele und Maßnahmen zur Klimaanpassung und zum Klimaschutz in Berlin. Der Bereich Gesundheitswesen ist gegenwärtig noch ausgeklammert, soll aber in die zukünftige Fortschreibung integriert werden. Für die Arbeit des TP5 besteht darin eine Chance, Erkenntnisse aus der Forschung in der zukünftigen Gestaltung und Planung auf der politischen Ebene umzusetzen. Dabei ist zu beachten, wie Frau Lompscher konstatierte, dass Prävention an Grenzen stößt wenn finanzielle Mittel fehlen. Nur mit einem Gesetz auf Bundesebene können Maßnahmen auf Landesebene durchgesetzt werden.

Das TP5 bedankt sich bei allen Teilnehmern, den Projektpartnern vor Ort (HU Berlin, Charité Berlin, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Umweltbundesamt, Forschungsdatenzentrum des Bundes und der Länder, TU Berlin, FU Berlin), den Referenten, der Klimaplattform, dem Moderator und Frau Lompscher für ihre Unterstützung zur erfolgreichen Umsetzung des Workshops.Katharina Scherber (INKA BB Teilprojekt 5, katharina.scherber@geo.hu-berlin.de).

Text: K. Scherber

Bild1: Teilnehmer des INKA BB TP5 Akteursworkshop am 17.11.2011 in Berlin Adlershof. (Foto: K. Scherber)

Bild2: Referentin Katrin Lompscher - Berliner Senatorin a.D. für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz. (Foto: K. Scherber)

Bild3: Referenten des INKA BB TP5 Akteursworkshops (v.l.): Dr. Günter Pfaff, Prof. Jürgen Kropp (Workshop Moderator), Prof. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Dr. Hans-Guido Mücke, Prof. Christian Witt, Prof. Friedrich Köhler, Nora Döhnert, Prof. Wilfried Endlicher und Dr. Marcel Langner. (Foto: K. Scherber)